Lebensweisen der Insekten – eine Auswahl

Texte von Willi Linder

Admiral

Im Herbst findet man auf Streuobstwiesen einen der schönsten heimischen Schmetterlinge. Dort sitzt er gerne auf Fallobst und saugt daran. Seine dunklen Flügel tragen eine rote Binde, eben wie ein richtiger Admiral, daher sein Name. Seinen lateinischen Namen – Vanessa – teilt er mit großen Stars, etwa der britischen Violinistin Vanessa Mae und mit vielen Mädchen, schließlich ist es einer der beliebtesten Namen im deutschsprachigen Raum. 

Der Admiral ist ein Wander-Schmetterling. Im Frühjahr kommt er aus südlichen Ländern zu uns, die Raupen leben auf Brennnesseln, im Oktober zieht er dann wieder in den Süden, nur wenige Exemplare überwintern auch bei uns.

Ob ein Apfel gut ist, prüft der Admiral mit seinen Beinen. Stell Dir vor, du könntest mit den Fingern feststellen, ob die Suppe schmeckt. Der Admiral kann das. Übrigens: Fallobst gärt manchmal, dann enthält es auch etwas Alkohol. In einer Untersuchung hat ein Forscherteam 2012 festgestellt, dass manche Insekten vermehrt Alkohol trinken, wenn sie kein Weibchen finden (Shohat-Ophir G1, Kaun KR, Azanchi R, Mohammed H, Heberlein U.: Sexual deprivation increases ethanol intake in Drosophila, Science 2012). Hoffentlich verliert unser Admiral nicht den „Flugschein“ wegen Trunkenheit.

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Ackerhummel

Auf Streuobstwiesen finden sich häufig auch Hummeln, etwa die Ackerhummel. Sie ist eine von 43 Hummelarten in Österreich. Für sie sind Streuobstwiesen ideale Lebensräume. Hier überwintern die Jungköniginnen unter Baumwurzeln, bis sie, oft schon im Februar, einen Nistplatz suchen, ein verlassenes Mäusenest, oder eine Baumhöhle. Die Königin kleidet das Nest bequem aus, etwa mit Tierhaaren, Federn oder ähnlichem. Dann baut sie eigene Brutzellen aus Wachs, legt Eier hinein und füttert die Larven. Die erste Generation von Arbeiterinnen wächst heran. Das Hummelvolk wächst bis auf 200 Tiere an. Schließlich legt die Königin spezielle Eier, aus denen wieder Königinnen und Drohnen werden. Die befruchteten Königinnen suchen sich ein Überwinterungsquartier, alle anderen sterben. Der Kreislauf beginnt von neuem

Das Aufziehen der Arbeiterinnen ist manchen Hummelarten zu mühsam: Die Königin kommt erst spät, im Juni, aus ihrem Quartier, sucht ein Hummelvolk auf, tötet dessen Königin und lässt ihren eigenen Nachwuchs von der Arbeiterinnen aufziehen. Auch solche Kuckuckshummeln gibt es auf unseren Streuobstwiesen.

Die Ackerhummel aber zieht ihre Jungen selbst auf. Sie mag es trocken. In Gärten kann man ihr mit einem Nistkasten helfen. Aber können Hummeln stechen? ja, sie können es, aber sie sind sehr friedlich. Eigentlich stechen sie nur, wenn man sie festhält. Und sie warnen uns: Zuerst heben sie das mittlere Bein (immer das mittlere!) in Richtung des Angreifers. Das ist eine Warnung. Dann beginnen sie, sehr laut zu brummen, legen sich auf den Rücken und strecken dem Angreifer den Stachel entgegen. Jetzt ist es Zeit, das Weite zu suchen……

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Sandwespe

Sandwespen lieben trockene Flächen, auch Streuobstwiesen insbesondere in Ostösterreich. Sie brauchen Sand, dort bauen sie ihr Nest. An den Vorderbeinen haben Weibchen einen Borstenkamm, eine Art Rechen, mit dem sie den Sand wegscharren. Nach dem Nestbau beginnt die Jagd. Eine Schmetterlingsraupe wird durch einen Stich gelähmt und in das Nest gezogen. Dann sticht die Wespe noch einmal zu – und legt ein Ei in die Raupe. Anschließend wird die Raupe lebend eingemauert – mit kleinen Steinchen. Die Larve beginnt dann, die Raupe von innen her aufzufressen. Die Raupe lebt noch, wäre sie tot, würde ihr „Fleisch“ verderben. Dabei schaut die Mutter der Wespenlarve regelmäßig nach, ob alles in Ordnung ist, bringt manchmal sogar eine neue Raupe vorbei. Und sie verwendet Werkzeuge – kleine Steine – um das Nest wieder fest zu verschließen: ein einzigartiger Vorgang unter Insekten! Wenn von der Raupe nur mehr eine Hülle übrig ist, verpuppt sich die Larve, eine neue Sandwespe entsteht. Das erwachsene Tier ist übrigens Vegetarierin: Thymian, Weideröschen oder Disteln liefern für sie Nektar.

Auch wenn es grausam klingt: Sandwespen sind nützlich, weil sie Insekten bekämpfen, ganz ohne chemische Spritzmittel.

Sie zeigen aber auch, wie wichtig bestimmte Pflanzen sind: verschwinden die Disteln und oder der Thymian, haben Grabwespen keine Nahrung mehr. Wer seinen Garten, seine Wiese wie einen Rasen pflegt, auf dem nur Gräser wachsen, zerstört auch die Lebensgrundlage für unsere Schädlingsbekämpfer.

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Maikäfer

Er ist schon ein ziemlicher Riese unter den Insekten: bis zu 3 cm lang und fast 1 Gramm schwer, fliegt er im Mai gerne laut brummend und bis zu 8 km/h schnell um Obst- und andere Laubbäume,  Die erwachsenen Tiere können Bäume, ja sogar ganze Wälder kahlfressen. Besonders ungeliebt sind die Larven: weiße, dicke Raupen, genannt Engerlinge. Sie leben vier Jahre lang im Boden und fressen Wurzeln von Bäumen. Das führt dazu, dass die Bäume schlechter wachsen, weniger Früchte tragen oder sogar absterben. 

Daher wurden Maikäfer intensiv bekämpft: Kinder sammelten die Käfer ein, früh am Morgen, schon um vier Uhr gings los: die schlafenden Tiere wurden von den Bäumen geschüttelt und gesammelt. Zuletzt wurden in Vorarlberg 2011 für einen Liter Maikäfer ein Euro bezahlt. Weil die Tiere viel Eiweiß enthalten, wurden sie gerne an Hühner und Schweine verfüttert. Und Wilhelm Busch beschrieb, wie Max und Moritz dem Onkel Fritz Maikäfer unter die Bettdecke steckten.

Maikäfer wurden bis vor 70 Jahren in manchen Gegenden Deutschlands und Frankreichs auch gegessen, schließlich gab es genug davon. Man hat die Tiere gesammelt, in Butter angebraten und in Hühnersuppe gekocht. Anschließend wurde die Suppe passiert, mit Salz und Pfeffer gewürzt, mit etwas Mehl gebunden und mit Sauerrahm sowie einem Stück Weißbrot serviert. Pro Person benötigt man etwa 30 bis 50 Maikäfer. Die Suppe soll ausgezeichnet schmecken, Mahlzeit!

Maikäfer haben auch viele natürliche Feinde: Eulen, Fledermäuse oder Krähen fressen die erwachsenen Tiere, die Larven werden von Amseln, Maulwürfen oder Dachsen und Spitzmäusen gerne gefressen. Gibt es auf einer Streuobstwiese Maulwürfe, haben die Maikäfer wenig Chance, sich massenhaft zu vermehren.

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Hornisse

Über die Gefährlichkeit von Hornissen gibt es viele Geschichten: drei Stiche sollen für einen Menschen lebensbedrohlich sein, sieben sogar für ein Pferd. Das sind maßlose Übertreibungen. Klar, die Stiche sind schmerzhaft und für Allergikerinnen und Allergiker auch gefährlich, das sind jedoch Wespenstiche auch.

Die jungen Königinnen bauen im Frühjahr ein Nest. Baumhöhlen sind ihre natürlichen Quartiere, aber auch unter dem Dach eines Werkzeugschuppens oder Gartenhauses fühlen sie sich wohl. Das Nest wird aus einer papierartigen Masse errichtet – es ist Holz, das sie zerkauen und mit Speichel vermischen. Hornissen sind in erster Linie Jägerinnen: ein großes Nest beherbergt bis zu 700 Tiere – sie vertilgen pro Tag bis zu einem halben Kilogramm Insekten, am liebsten Wespen. Es überwintert ausschließlich die junge Königin, mit dem ersten Frost stirbt das ganze Volk. Auch das Nest wird nicht wieder bezogen, sondern ein neues gebaut. Übrigens: Hornissen stehen unter Naturschutz, das Nest darf nicht zerstört werden, es wird nur umgesiedelt, wenn eine unmittelbare Gefahr davon ausgeht, etwa in der Nähe eines Altenheimes oder Kindergartens.

Streuobstwiesen sind für Hornissen ein idealer Lebensraum – wegen der Insekten, die Hornissen hier jagen, wegen der Höhlen in alten Bäumen oder der einen oder anderen Hütte. Hornissen helfen maßgeblich dabei, die im Herbst oft lästigen Wespen zu reduzieren. Anders als diese sind sie wenig aggressiv und näheren sich den Menschen nicht. Eine Gefahr geht nur dann von ihnen aus, wenn sie ihr Nest in Gefahr sehen.

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