Die Obstwiese – wie sie wird & wirkt

Wie eine Wiese entsteht

Eine Wiese ist vielen Schwankungen ausgesetzt: Wind, Regen, Temperaturen, ob und wann sie gemäht oder beweidet wird, ob sie gedüngt wird, welche Beschaffenheit der Boden hat, ob der Boden sehr austrocknet oder feucht bleibt, ob die Wiese nach Süden zur Sonne oder nach Norden in den Schatten geneigt ist. Es ist das Zusammenspiel dieser Kräfte und Einwirkungen und jedes Jahr kann sich etwas ändern oder verschieben. Und es geht auch um den Prozessverlauf, in welchen Schritten und letztlich zu welcher Vielfalt und zu welcher Balance sich eine Wiese entwickelt. Das ist auch im Venusgarten so

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Der Prozessverlauf im Venusgarten

Der Bisamberg war einstmals fast zur Gänze Wald. Der wurde nach und nach gerodet und auf diesen Flächen Feldfrüchte angebaut oder gepflanzt. Auch erste Wiesen entstanden, mit und durch die Haltung von Schafen, Ziegen und Kühen. Das sind reine Veganer, die nur von Gras und Heu gelebt haben. Die Wiesen wurden im Sommer beweidet oder für das Winterheu gemäht. Je nachdem haben sich sehr unterschiedliche Wiesen mit abwechslungsreichen Gras- und Kräutergesellschaften gebildet. Der Venusgarten war vor 50 oder 60 Jahren im unteren Steilstück noch ein Weingarten, im oberen flacheren Teil ein Obstgarten. Diese Form der Bewirtschaftung hatte eine jahrtausendlange Vergangenheit. In den letzten Jahrzehnten wurde die mühselige Handarbeit durch Maschinen ersetzt. Und wo Maschinen im steilen Gelände nicht mehr eingesetzt werden konnten, ist die Nutzung aufgegeben worden. Auch im Venusgarten war das so. Die Folge: die Flächen verbuschen und letztlich wäre alles wieder zu Wald geworden. Das ist der Lauf der Natur. Jetzt gilt es, daraus wieder eine vielfältige Wiese zu machen.

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Vom Wachsen und Vergehen

Die Wiese lebt. Mit über 40 unterschiedlichen Gräsern, mit über 50 unterschiedlichen Kräutern und Wiesenblumen und hunderten Insektenbewohnern.

Frühjahr, Sommer, Herbst und Winter, eine immer wiederkehrende Abfolge im Jahreskreis. Danach verläuft auch das Leben von Wiesenpflanzen mit Insekten und Bodentieren. Im Frühjahr treiben sie aus, schlüpfen aus Eiern oder beenden den Winterschlaf. Alles erwacht zu neuem Wachstum oder neuem Leben. Vom Sommer bis zum Frühherbst ist – abgesehen von einigen Ausnahmen –  die Zeit der Reife, die Zeit der Blüte. Im Herbst geht es an die Vorbereitung fürs Überwintern, für den Einzug in die Winterquartiere. Alles lebt im Jahreskreis, manches ist langlebig und überwintert, vieles aber ist kurzlebig und vergeht von Jahr zu Jahr.

Gleichgültig ob lang -oder kurzlebig: Bäume, Pflanzen oder freilebende Insekten oder Bodentiere – alles Leben produziert „Abfall“. Und so wie auch in unserem Leben geht es um den Umgang mit dem Abfall. Wir Menschen produzieren Müll, der immer nur teilweise wiederverwertet werden kann, wir erzeugen aber viele Dinge, die schädlicher bis giftiger Schrott sind. Im Gegensatz dazu kennt die Natur keinen Müll. Alles Abgestorbene wird verarbeitet und veredelt und als neuer Wertstoff in den Kreislauf zurückgeführt. Nichts bleibt übrig, nichts ist nur schädlich oder nur giftig, alles dient im gesamten Zusammenspiel der Arten immer auch dem Aufbau neuen Lebens oder neuer Entwicklung. (Jahreszyklus Blattläuse)

Speziell Blüten besuchende Wildbienen, Honigbienen und Schmetterlinge profitieren vom vielfältigen Nektar- und Pollenangebot der blühenden Obstbäume und Wiesenpflanzen. Auch als Futterpflanzen für Schmetterlingsraupen sind Obstbäume wichtig, so entwickelt sich das seltene Große (Wiener) Nachtpfauenauge bevorzugt auf Kirschbäumen. Einige Spechtarten wie Grünspecht, Wendehals oder Wiedehopf suchen ihre Nahrung gerne am Boden unter den Bäumen – sie sammeln dabei mit Vorliebe Ameisen und andere Insekten auf. Aber auch verschiedene Säugetiere nehmen das Obst als Nahrungsquelle an, etwa der Igel oder der Siebenschläfer.

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Gleichgewicht durch Vielfalt

Wird eine Wiese zum richtigen Zeitpunkt gemäht oder beweidet, dann bietet sie sehr viel: Lebensraum für Gräser und Blütenpflanzen, Futter für Insekten, Bodentiere, Bienen, Rehe, Schafe oder Ziegen. Ist das so, dann erneuert sie sich von Jahr zu Jahr. Aber: wo liegt das Geheimnis einer vielfältigen Blumenwiese mit ihren vielen Bewohnern, immer wieder ein ausgewogener Lebensraum zu sein?

Die Antwort auf dieses Geheimnis: Es ist die ausgleichende Balance in einer großen Vielfalt.

Je größer die Vielfalt, umso besser wird das Gleichgewicht. Nimmt man aus der Vielfalt einzelne Teile heraus, „spritzt“ sie chemisch weg, kann das Gesamtsystem ins Rutschen kommen. Wobei wir nie wissen, was wir an welchem anderen Punkt damit anstellen.

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